Lee Kuan Yew: Der Entwicklungsmeister

Lee Kuan Yew ist tot. 50 Jahre, nachdem sein Singapur aus dem Verbund mit Malaya (West-Malaysia), verstoßen wurde. Damals stand der tropische Stadtstaat auf der Stufe mit Ghana, was das Prokopfeinkommen betrifft. Heute ist Singapur reicher als sein ehemaliger Kolonialherr, das Vereinigte Königreich Großbritannien. Der Autokrat Lee Kuan Yew war nicht nach dem Geschmack der Liberalen und Grünen, dazu war er zu autoritär und entwicklungsversessen. Für ihn zählten nicht Westminster-Demokratie und andere westlichen Werte als oberste Richtschnur. Aber die rasante Entwicklung, die Beseitigung der Armut, das Bildungsniveau, der Wohnungsbau, die Gesundheitsvorsorge, früher Umweltschutz (im Sinne des ´early cleaner´) – also die Befriedigung der elementaren Bedürfnisse (basic needs) – bekam der Singapur besser hin als der die meisten Länder dieser Welt. Und so hat der Verstorbene viele renommierte Sozialwissenschaftler beschämt: Paul Krugman, der meinte dass mit dem extremen Ressourceneinsatz Singapurs (hohe Ersparnis, Investitionen, Bildungsniveau) es so enden werde wie mit Breschnews Sowjetunion. Francis Fukuyama, der nach dem Fall der Mauer meinte, dass dies das Ende der Geschichte sei, weil nur westliche Regierungsprinzipien zu Erfolgen führten. Und Jeffrey Sachs, der das schlechteste Entwicklungspotenzial in der Nähe des Äquators verortete (Lee lobte in diesem Kontext die Einführung und Verbreitung des air conditioning). Und natürlich unsere Freimarktideologen, indem er dafür sorgte, dass die Pensionskassen staatlich blieben (und für die Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus eingesetzt worden anstatt zu Derivatzockereien), dass die Wirtschaft durch Staatsunternehmen geführt wurde, dass der Kapitalverkehr eingeschränkt blieb, dass die Staatsbeamten so gut wie die privaten Angestellten bezahlt wurden – oft besser (und damit der Korruption wenig Angriffsfläche blieb). Und so zeigte er uns, dass es nicht nur einen Weg zum Entwicklungserfolg gibt. In China wird er seit langem verehrt.

2015-LKY-via-PMO_thumb

Advertisements

Veröffentlicht von

weltneuvermessung

Helmut Reisen ist ein international anerkannter Experte zu Schwellenländern, Entwicklungsfinanzierung und Währungspolitik. Der langjährige Forschungsdirektor des OECD-Entwicklungszentrums (bis September 2012) ist emiritierter Titularprofessor an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel und Assoziierter Wissenschaftler am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik, Bonn.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s