Wer finanziert Afrikas Infrastruktur?

Wer finanziert Afrikas Infrastruktur?

von Helmut Reisen

Es ist ein Gemeinplatz: Afrika fehlt es an Infrastrukturen. Es fehlt auch an zuverlässigen Daten, wer diese finanziert. Besonders Informationen über ausländische Entwicklungskredite nach Afrika, die bedeutendste Form der Infrastrukturfinanzierung, sind äußerst spärlich.

Vermutlich ist China Afrikas wichtigste Quelle für Entwicklungskredite. Weder die Zentralbank, noch die Entwicklungsbank oder die Export-Import-Bank der Chinesen veröffentlichen aktuelle Statistiken ihrer Kreditvergabe (Pigato und Tang, 2015), obwohl sie prominente Kapitalgeber der afrikanischen Großbaustellen sind. Weitere bedeutsame bilaterale und multilaterale Darlehensgeber listet ECN (2015) auf: die Weltbank, African Development Bank, Development Bank of Southern Africa, Export-Import Bank of the United States, African Export-Import Bank, European Investment Bank, Agence Française de développement (AFD), Japan Bank for International Cooperation (JBIC), Islamic Development Bank und die Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Trotz des in den letzten zehn Jahren gestiegenen Interesses privater Geldgeber an Afrika stellen die öffentlichen Entwicklungsbanken und Exportkreditagenturen 80% der afrikanischen Infrastrukturfinanzierung. China führt die Rangliste der Investoren an (ECN 2015). Nur 30 % der Finanzierung sind Zuschüsse, der Rest sind Entwicklungs- und Exportkredite, so der Jahresbericht 2013 des Infrastructure Consortium for Africa. Dieses Konsortium versteht sich als Plattform, Infrastrukturfinanzierungen zu erleichtern, politische und technische Hemmnisse zu beseitigen, grenzüberschreitende Kooperationen zu ermöglichen sowie Know How durch Überwachung, Berichtswesen und Verbreitung bester Praxis zu fördern. Seine Jahresberichte geben Aufschluss über Finanzierungszusagen an Afrika in den Sektoren Energie, Wasser, Transporte und Informations- sowie Kommunikationstechnologie.

 

Finanzierungszusagen in Afrikas Infrastruktur

– Nach Herkunft, Milliarden US$ –

Herkunft 2013 2014
China 13.4 3.1
Europe (incl. EIB) 7.4 6.4
United States 7.0 n.a.
World Bank 4.5 6.5
AfDB 3.6 3.6
Arab Coordination 3.3 3.5
Japan 1.5 2.1
South Africa (DBSA) 1.2 1.0
Total 99.6 74.5

Quelle: Jahresberichte des Infrastructure Consortium for Africa

 

Wie die Tabelle zeigt, wurde bereits im Jahre 2014 ersichtlich, wie stark China seine bilaterale Kreditvergabe an Afrikas Infrastrukturprojekte zurückgefahren hat. Hier können zwei Ursachen vermutet werden: Erstens eine stärkere Gewichtung der potenziellen Ausfallrisiken im Zuge der Konsolidierung des chinesischen Kreditwesens; zweitens die Vorbereitung  von der bilateralen auf die von China gesteuerte multilaterale Kreditvergabe, welche durch die neuen Entwicklungsbanken (AIIB und NDB) möglich werden. Bis dahin stehen die westlichen multilateralen Entwicklungsbanken (Weltbank, Europäische Investitionsbank (EIB) in einem Zwischenhoch der Infrastrukturfinanzierung Afrikas.

Aus deutschen Industriekreisen (VDMA) ist zu hören, dass Deutschland und Europa in Afrika keine schlüsselfertige Infrastrukturprojekte mehr aufstellen können, da sie schlicht und einfach die dazu nötigen Kapazitäten wegrationalisiert und ausgelagert haben. Das können heute nur noch die Koreaner und Chinesen. Derweil verringert die chinesische Führung die Kritikfläche an ihren bilateralen Afrikabeziehungen nach dem Vorbild der USA, die bislang ihren Einfluss in Afrika weniger bilateral als multilateral ausgeübt hat. Es ist wahrscheinlich, dass China auch auf längere Sicht der wichtigste Kapitalgeber für Afrikas Infrastrukturen sein wird, allerdings verdeckt im Gewand der multilateralen Entwicklungsbanken.

Literatur

ECN (2015), Spanning Africa´s Infrastructure Gap: How development capital is transforming Africa’s project build-out, London: The Economist Corporate Network, November.

ICA (2015), Infrastructure Financing Trends in Africa – 2014. Cairo: Infrastructure Consortium Africa.

Pigato, M. and W. Tang (2015), China and Africa: Expanding Economic Ties in an Evolving Global Context, Washington, DC ; World Bank.