Der schluchzende Westen und die Neuvermessung der Welt – The Sobbing of the West and the Remapping of the World

English Version below: The Sobbing of the West and the Remapping of the World

Kommentare zu Deutschlands Vorsitz im Rat der Europäischen Union Nr. 8:

Der schluchzende Westen und die Neuvermessung der Welt

Thomas Bonschab und Robert Kappel

Besonders in Deutschland ist die Freude über den künftigen US-Präsidenten Jo Biden groß. Die neue Administration in den USA steht nicht nur für eine Rückkehr zu multilateralen Vereinbarungen, sie verspricht insgesamt einen zivilisierteren Stil im internationalen Umgang. Das wird vor allem die vielen Menschen beruhigen, die fest an die alte transatlantische Freundschaft zwischen Europa und den USA glauben. Allerdings sollte es nicht darüber hinweg täuschen, dass auch unter Jo Biden der grundlegende Wandel der Weltordnung keinen Rückwärtsgang einlegt. Dies hat u.a. damit zu tun, dass einige asiatische Länder die Monopolstellung des Westens mit seinen Regeln und Institutionen zunehmend in Frage stellen. Auch sehr viele Entwicklungs- und Schwellenländer verzeichnen hohes Wirtschaftswachstum und haben ihre Süd-Süd-Kooperation vertieft. Dadurch sind neue Konstellationen in der Weltordnung im Anmarsch. In dieser Dynamik werden auch Deutschland und Europa insgesamt ihre neue Rolle finden müssen.

Wir formulieren die aus unserer Sicht wichtigen globalen Herausforderungen in vier Thesen.

These 1: Der Konflikt zwischen den USA und China wird langfristig bestimmend bleiben

Schon der Blick auf die vergangenen Handelskonflikte der USA mit der ehemaligen Sowjetunion und den knapp 15 Jahre anhaltenden Streit mit Japan legt nahe, dass auch der Handelskonflikt zwischen den USA und China eine langfristige Angelegenheit sein wird. Viele Ökonomen in China gehen von 20-30 Jahren aus. Hinter dem Konflikt verbirgt sich zudem ein brandgefährliches historisches Muster. In immerhin 12 von 16 historischen Übergängen von einer Hegemonialmacht zur nächsten ist es zum Krieg gekommen (Allison 2018). So weit ist es zwischen den USA und China nicht. Dies hat u.a. mit der sehr engen wirtschaftlichen Vernetzung zwischen den Großblöcken zu tun, die die Bereitschaft zu Kompromissen erhöht. Aber manchmal genügt ein Funke, der zu Konflikten führen könnte. Man sollte in Europa nicht der Versuchung erliegen, diesen grundlegenden und mit Gefahren einhergehenden Wandel in der Weltordnung zu übersehen.

Tatsächlich haben die USA schon in vielen Bereichen ihre alte Ordnungsrolle verloren, was auch die Positionierung Europas auf Seiten des transatlantischen Freundes herausfordert. Die folgende Tabelle verdeutlicht die Rolle Chinas, der USA und Europas zur Gestaltung der Weltökonomie. Hier fällt insbesondere auf, dass alle drei Blöcke nicht in der Lage sind, eine alleinige Führungsrolle einzunehmen. Die USA konnten dies in den 1970-1990er Jahren, danach verloren sie ihre hard und soft power, während China und Europa eher aufsteigen, ohne globale Führungsmächte zu werden.

Tabelle 1: Wer ist Führungsmacht

Öffentliche GüterChinaEuropaUSA
Offene Märkte(X)X(X)
Mittel zur langfristigen Finanzierung(X)(X)(X)
Währungsstabilität(X)(X)(X)
Fähigkeit zur makro-ökonomischen Steuerung(X)(X)(X)
Lender of Last Resort (Zufluchtgläubiger)(X)0X
Fähigkeit zur Herstellung von Frieden und Stabilität0(X)(X)
Fähigkeit zur Transformation der Weltökonomie(X)(X)(X)
Technologie-TransfersXX(X)

Quelle: eigene Ermittlungen auf der Basis der sog. Kindleberger-Kriterien. Siehe Kindleberger (1981),  sowie Kappel/Reisen (2015).
X steht für positiv, (X) für gemischt, O für negativ.

Durch Donald Trumps America First hat Europa die Vorreiterrolle hinsichtlich der Offenheit von Märkten übernommen. Dies geschah aus einer Position der Stärke – der größte Markt der Welt. Doch im Zuge des Aufstiegs Chinas agieren die USA, und in der Folge auch Europa, zunehmend protektionistisch, während die chinesische Regierung Freihandelsideen proklamiert und auch pragmatisch umsetzt, was sich am Abschluss des weltgrößten Freihandelsabkommens „Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) dokumentiert.

Global wirksame Langzeitfinanzierung wird gleichermaßen von Europa und den USA bereitgestellt, aber China holt auf, was sich insbesondere an den Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen der Belt-and-Road-Initiative zeigt. Allerdings bricht die Finanzierung solcher Großmaßnahmen seit 2019 deutlich ein. Die USA hingegen betonen private Portfolioinvestitionen und den Abbau von Kapitalverkehrskontrollen und agieren daher eher prozyklisch.

Wechselkursstabilität: Die Geldpolitik der US Federal Reserve orientiert sich zunehmend an US-nationalen Zielen. Auch in anderen Bereichen der Makro-Koordination verlieren die USA ihre Führungsmacht. Die neomerkantilistische Politik steht der makroökonomischen Koordination durch die G20 bzw. G77 entgegen.

Zufluchtgläubiger: Zwar spielt die US Federal Reserve international noch die wichtigste Rolle als Lender of Last Resort im Falle weltweiter systemischer Finanzkrisen. Aber spätestens seit der Finanzkrise 2008 und der Interventionen durch China ist auch in diesem Bereich Amerikas Rolle faktisch und moralisch stark geschwächt. 

Friedenssicherung: Die USA haben ihre Fähigkeit und vor allem ihren Willen verloren, global als Friedensstifter zu agieren, obwohl sie 50% aller globalen Militärausgaben tragen. Sie ziehen sich zurück und sind dadurch immer weniger in der Lage, Stabilität und Frieden zu sichern. Der Rückzug aus den globalen Krisengebieten ist als Leitidee des America First angelegt. Möglicherweise wird Präsident Biden wieder eine militärische Hegemonialstrategie beanspruchen. Europa hat seine militärischen Handlungsoptionen zwar erweitert und setzt diese in multilateralen Aktivitäten um. Europa beansprucht jedoch keine Führungsrolle, ist auch weit entfernt davon, diese einzunehmen, was sich schon in Konfliktresolutionen in der direkten Nachbarschaft zeigt (Libyen, Syrien, Griechenland/Türkei).

Die Transformationsfähigkeit aller Akteure ist deutlich reduziert, was vor allem damit zu tun hat, dass viele Schwellenländer große Fortschritte bei der Modernisierung ihrer Ökonomien gemacht haben. Beispielhaft stehen dafür Vietnam, Malaysia, Indonesien, Marokko oder Kolumbien. Der globale Technologieschub geht bis heute vor allem von den USA und Europa aus, doch die Sprünge in der chinesischen Technologieentwicklung in Schlüsselindustrien sind Ausdruck für einen rapiden Aufholprozess. Dies zeigt sich u.a. daran, dass China inzwischen sein eigenes Silicon Valley in der Provinz Guangdong entwickelt hat. 70% der weltweiten sogenannten „Unicorns“ stammen entweder aus den USA oder China. Ähnlich sieht es aus mit Investitionen in Unternehmen der New Economy. Die Verlagerung wird von vielstimmigen Diskursen über Technologiediebstahl, unfaire Praktiken und Schutzmaßnahmen begleitet. Europa steht keineswegs auf der Verliererstraße, scheint aber im globalen Technologiewettbewerb an Dynamik zu verlieren.

These 2: Europa ist weniger geschwächt als oft kolportiert wird

Der Druck für Europa und Deutschland, in diesem Wettbewerb nicht verloren zu gehen, ist real. Allerdings besteht kein Grund, die Lage in Europa so schlecht zu reden, als hätte man nichts entgegen zu setzen. Vor allem nicht gegenüber China. Dennoch: Europa nimmt seine Handlungsoptionen aufgrund interner Abstimmungsprobleme nicht umfänglich wahr.

Europa ist – und bleibt vorerst – der Wachstumspol der Weltwirtschaft. Es zieht bei weitem die höchsten externen Investitionen an. Die EU liegt hierbei sogar deutlich vor den USA. China holt zwar auf, aber die Lücke zur EU wird nicht signifikant geschlossen. Allein im Jahr 2019 betrug die Differenz mehr als 300 Mrd. $. Über die letzten 8 Jahre summierte sich der Unterschied der Zuflüsse auf 3000 Mrd. $. Der Unterschied ist gigantisch. Schon alleine deshalb sind Klagen darüber, wie Europa von China abgehängt wird, aus der Luft gegriffen. Zudem sollte berücksichtigt werden, dass die EU lediglich 6,9% der Weltbevölkerung stellen (USA: 4,4%; China 17,8%).

Die zentrale Rolle Europas reflektiert sich auch in den Anlagevermögen der Weltinvestitionen. Vom gesamten Weltinvestitionsbestand entfielen im Jahr 2017 ca. 28% auf die EU, auf die USA 25% und auf China 5%. Auch was den Anteil am Welthandel betrifft, liegt Europa weiterhin vorne. Trotz eines geringeren Bruttoinlandsprodukts im Vergleich zu den großen neuen Handelsblöcken hat Europa, und ganz besonders Deutschland, einen Vorsprung gegenüber der jüngst in Asien gegründeten Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), der noch viele Jahre anhalten wird.

These 3: Die Länder der G77 haben irreversibel aufgeholt gegenüber den G7

Wirtschaftlich wächst die Rolle der (ehemals) ärmeren Länder gegenüber den etablierten westlichen Industriestaaten. Die Wachstumsraten der Pro-Kopf-Einkommen betragen nach aktuellen Einschätzungen in den OECD-Ländern 1,4% (2013 bis 2022) und in den Entwicklungs- und Schwellenländern 3,1% (2013-2017) bzw. 3,6% (2018-2022).

Grafik 1: Wachstumsraten der entwickelten Länder und der Schwellen- und Entwicklungsländer

Quelle: Gros, Alcidi, Busse, Elkerbout, Laurentsyeva und  Renda (2018).

Vor allem die Länder Asiens tragen zu diesem Trend bei. China verzeichnet die höchsten Wachstumsraten während der letzten drei Dekaden. Die spiegelt sich auch im Anteil am Welthandel wider. Die EU steht noch vorne, die USA und China folgen.

Grafik 2: Die führenden Handelsnationen, 2019, Mrd. $

Quelle: WTO:  https://www.wto.org/english/res_e/statis_e/wts2020_e/wts20_toc_e.htm

Mit der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung wird sich auch der Anspruch an globale Mitsprache verschieben. Sollte die Verlagerung – wie wir sie oben schildern –  weitergehen, könnten sich die Weltordnung und die Weltwerte weiter verschieben. Aus heutiger Sicht kann davon ausgegangen werden, dass weniger die Grundwerte der liberalen westlichen Demokratie nachgefragt werden als Themen wie Armutsreduktion und Hunger, Krankheitsbekämpfungen, die Vermeidung von Krisen der Finanzmärkte, der Gewalt oder des Klimas. Welche Nation verfügt über die erforderlich hard und soft power, um die Weltordnung zu gestalten? Noch ist nicht ausgemacht, wer das sein wird, doch scheint eindeutig zu sein, dass China und auch andere Schwellenländer, wie Indien oder Brasilien, sehr viel mehr Einfluss darauf nehmen werden als im 20. Jahrhundert.

Unseres Erachtens kann davon ausgegangen werden, dass der westliche Werteansatz weiter an Glaubwürdigkeit verliert. Was sich heute schon abzeichnet ist, dass der Anspruch an Mitsprache in und Gestaltung von multilateralen Einrichtungen eine andere sein wird. China zeigt seit Jahren, dass es auch bereit ist, neue Einrichtungen wie die Asian Infrastructure Investment Bank oder neue Globalisierungsstrategien wie die Belt and Road Initiative zur gründen. Inwieweit aus diesem Machtzuwachs auch ein Modell mit Followers entsteht, ist ungeklärt.

These 4: Kleinere Akteure werden wieder stärker auf der Weltbühne

Nicht alles wird sich zwischen China und den USA entscheiden. Die USA sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt – besonders mit den internen Ungleichheiten -, um unter Präsident Biden wieder die globale Führungsrolle zu übernehmen, wie sie über weite Strecken des 20 Jahrhunderts selbstverständlich war. China mag wirtschaftlich und technologisch weiter rasant aufsteigen und das digitale Zeitalter anführen, aber es fehlt an internationaler Überzeugungskraft für das eigene System, an sogenannter soft power.

Das von Thukydides in seiner Geschichte des Peloponnesischen Krieges beschriebene Diktum: „Die Starken tun, was sie wollen und die Schwachen ertragen, was sie müssen“ trifft auf die aktuelle Lage  nicht zu. Die Welt ist verbundener als zuvor. Die Großmächte USA und China sind daher darauf angewiesen, für ihr Verständnis einer Weltordnung zu werben und Allianzen zu bilden. Das bedeutet auch: offen zu sein für die Stimmen der kleineren Akteure. Länder wie Marokko, Ägypten, Indonesien, Pakistan, Korea und Mexiko werden die globale Agenda mitgestalten.

Fazit

Europa muss seine aktive Rolle in diesem Trendgestrüpp finden, auch wenn es nicht die oberste Gestaltungsmacht sein kann. Dabei sollte es sich nicht zu schnell auf die eine oder andere Seite festlegen. Die gute Nachricht ist, dass die Verschiebungen so fundamental sind, dass rein ideologische und rein nationalistische Positionen auf mittlere Sicht keine Aussicht auf Erfolg haben. Europa kann sich selbstbewusst auf diesen Dialog einlassen und, je nach Thema, die Allianzen durchaus wechseln. Was nicht in diese neue Weltordnung gehört, ist ein Gestus der Überlegenheit und Mission.

Literatur

Allison, Graham T. (2018), Destined for War: Can America and China Escape Thycidides’s Trap? Boston, New York: Mariner Books.

Bonschab, Thomas und Kappel, Robert (2020), Europa im falschen China-Blues, https://weltneuvermessung.wordpress.com/2020/11/27/europa-im-falschen-china-blues-europes-mistaken-china-blues/

Gros, Daniel, Cinzia Alcidi, Matthias Busse, Milan Elkerbout, Nadzeya Laurentsyeva und Andrea Renda (2018), Global Trends to 2035, Brussels: EP. https://www.ceps.eu/ceps-publications/global-trends-2035-economy-and-society/.

Kappel, Robert (2011), The Challenge to Europe: Regional Powers and the Shifting of the Global Order, in: Intereconomics 46, 5: 275–286 https://www.intereconomics.eu/contents/year/2011/number/5/article/the-challenge-to-europe-regional-powers-and-the-shifting-of-the-global-order.html

Kappel, Robert und Helmut Reisen (2015), Die Neuvermessung der Welt und die deutsche Außenpolitik, GIGA Focus Global 2, Mai 2015. https://www.giga-hamburg.de/de/publication/die-neuvermessung-der-welt-und-die-deutsche-au%C3%9Fenpolitik

Kindleberger, Charles. P. (1981), Dominance and Leadership in the International Economy: Exploitation, Public Goods, and Free Rides, in: International Studies Quarterly, 25, 2: 242-254.

Anmerkung: Der Titel des Beitrages orientiert sich an Tadeusz Rózewicz‘  „schluchzende Supermacht“ (Tadeusz Rózewicz, Sobbing Superpower, New York 2011).


Kommentare zu Deutschlands Vorsitz im Rat der Europäischen Union Nr. 8:

The Sobbing of the West and the Remapping of the World

Thomas Bonschab and Robert Kappel

There is great joy in Germany about US President-elect Jo Biden. The new administration in the USA not only stands for a return to multilateral agreements, it promises a more civilized style in international dealings. This will reassure the many people in Germany who firmly believe in the old transatlantic friendship between Europe and the USA. However, it should not obscure the fact that even under Jo Biden the fundamental change in the world order is not in reverse gear. This has to do, among other things, with the fact that some Asian countries are increasingly questioning the monopoly position of the West with its rules and institutions. A great many developing and emerging countries are also experiencing high economic growth and have deepened their South-South cooperation. As a result, new constellations in the world order are possible theses days. In this dynamic, Germany and Europe as a whole will also have to find their new role.

In this context we would like to phrase the global challenges for Europe in four theses.

Thesis 1: The conflict between the USA and China will remain decisive in the long term

A look at the past trade conflicts of the USA with the former Soviet Union and the dispute with Japan, which lasted almost 15 years, suggests that the trade conflict between the USA and China will also be a long-term affair. Many economists in China expect it to last 20-30 years. Behind the conflict, moreover, lies a dangerous historical pattern. In as many as 12 out of 16 historical transitions from one hegemonic power to the next, war has occurred. Fortunately, this is not yet likely the case between the USA and China. This has to do, among other things, with the very close economic networking between the major blocs, which increases the willingness to compromise. But sometimes all it takes is a spark that could lead to conflict. In Europe, one should not succumb to the temptation to overlook this fundamental change in the world order, which is accompanied by dangers.

In fact, the USA has already lost its old regulatory role in many areas, which also challenges Europe’s positioning on the side of its transatlantic friend. The following table illustrates the role of China, the USA and Europe in shaping the world economy. It is particularly noticeable here that all three bloks are not in a position to assume a sole leadership role. The USA was able to do so in the 1970-1990s, after which it lost its hard and soft power, while China and Europe tend to rise without becoming global leaders.

Table 1: Who ist he leading power

Public goodsChinaEuropaUSA
Open markets(X)X(X)
Capacity to long-term financing(X)(X)(X)
Curreny stability(X)(X)(X)
Capacity for macroeconomic management(X)(X)(X)
Lender of last resort(X)0X
Capacity to establish peace and stability0(X)(X)
Capacity to transform world economy(X)(X)(X)
Technology transfersXX(X)

Source: own investigations based on the so-called Kindleberger criteria. See Kindleberger (1981) and Kappel/Reisen (2015). X indicates positive; (X), mixed; 0, negative.

Donald Trump’s America First has put Europe at the forefront of market openness. This was done from a position of strength – the largest market in the world. But as China rises, the US, and subsequently Europe, are becoming increasingly protectionist, while the Chinese government proclaims and pragmatically implements free trade ideas, as evidenced by the conclusion of the world’s largest free trade agreement, the Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP).

Globally effective long-term financing is provided equally by Europe and the US, but China is catching up, as evidenced in particular by infrastructure investments under the Belt and Road Initiative. However, funding for such large-scale measures has slumped significantly since 2019. The US, on the other hand, is emphasizing private portfolio investment and the dismantling of capital controls and is therefore acting rather pro-cyclically.

Exchange rate stability: The US Federal Reserve’s monetary policy is increasingly oriented towards US national targets. The US is also losing its leading power in other areas of macro-coordination. The neo-mercantilist policy is opposed to macroeconomic coordination by the G20 or G77.

Lender of Last Resort: It is true that the US Federal Reserve still plays the most important role internationally as lender of last resort in the event of global systemic financial crises. But at least since the 2008 financial crisis and the interventions by China, America’s role in this area has also been severely weakened, both factually and morally. 

Peacekeeping: The USA has lost its ability and, above all, its commitment to act globally as a peacekeeper, although it bears 50% of all global military expenditure. They are withdrawing and are thus less and less able to secure stability and peace. The withdrawal from global crisis areas is designed as the guiding principle of America First. It is possible that President Biden will again claim a military hegemonic strategy. Europe has indeed expanded its military options for action and is implementing them in multilateral activities. However, Europe does not claim a leading role, and is far from assuming one, which is already evident in conflict resolutions in its immediate neighborhood (Libya, Syria, Greece/Turkey).

The capacity to transform the world order is significantly reduced among all actors, which is mainly due to the fact that many emerging countries have made great progress in modernizing their economies. Vietnam, Malaysia, Indonesia, Morocco and Colombia are examples of this. Until now, the global technology push has mainly come from the USA and Europe, but the leaps in Chinese technology development in key industries are an expression of a rapid catching-up process. This can be seen, among other things, in the fact that China has now developed its own Silicon Valley in Guangdong province. 70% of the world’s so-called „unicorns“ come from either the USA or China. The situation is similar with investments in new economy companies. The shift is accompanied by many-voiced discourses on technology theft, unfair practices and safeguards. Europe is by no means on the losing side, but it seems to be losing momentum in the global technology competition.

Thesis 2: Europe is less weakened than is often stated.

The pressure for Europe and Germany not to get lost in this global competition is real. However, there is no reason to talk down the situation in Europe as if it had nothing to counteract. Especially not vis-à-vis China. Nevertheless, Europe is not taking full advantage of its options for action due to internal coordination problems.

Europe is – and will remain for the time being – the growth pole of the world economy. It attracts by far the highest external investments. The EU is even clearly ahead of the USA in this respect. China is catching up, but the gap to the EU is not being closed significantly. In 2019 alone, the difference was more than $300 billion. Over the last 8 years, the difference in inflows added up to $3000 billion. The difference is gigantic. For this reason alone, complaints about how Europe is being left behind by China are made up out of thin air. Moreover, it should be taken into account that the EU accounts for only 6.9% of the world’s population (USA: 4.4%; China 17.8%).

Europe’s central role is also reflected in the fixed assets of world investments. Of the total world investment stock, the EU accounted for around 28% in 2017, the USA for 25% and China for 5%. Europe also continues to lead in terms of share of world trade. Despite a lower GDP compared to the major new trading blocs, Europe, and especially Germany, has a head start on the recently established Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) in Asia that will last for many years to come.

Thesis 3: The countries of the G77 have irreversibly caught up with the G7

Economically, the role of the (formerly) poorer countries is growing compared to the established Western industrialized countries. According to current estimates, per capita income growth rates are 1.4% (2013 to 2022) in OECD countries and 3.1% (2013-2017) and 3.6% (2018-2022) in developing and emerging countries.

Figure 1: Growth Rates in Industrialized countries and Emerging and Developing Countries

Source: Gros, Alcidi, Busse, Elkerbout, Laurentsyeva und  Renda (2018).

Asian countries in particular are contributing to this trend. China has recorded the highest growth rates over the last three decades. This is also reflected in its share of world trade. The EU is still in the lead, followed by the USA and China.

Figure 2: The leading trading nations, 2019, $ billion

Source: WTO:  https://www.wto.org/english/res_e/statis_e/wts2020_e/wts20_toc_e.htm

As the economic importance grows, the demand for global voice will also shift. Should the shift – as we describe above – continue, the world order and world values could shift accordingly. From today’s perspective, it can be assumed that there will be less demand for the basic values of liberal Western democracy than for issues such as reducing poverty and hunger, fighting disease, avoiding crises in the financial markets, violence or the climate. Which nation has the necessary hard and soft power to shape the world order? It is not yet clear who this will be, but it seems clear that China and other emerging countries, such as India or Brazil, will have much more influence than in the 20th century.

In our opinion, it can be assumed that the Western approach to values will continue to lose credibility. What is already apparent today is that the demand for a say in and shaping of multilateral institutions will be different. For years, China has shown that it is willing to establish new institutions such as the Asian Infrastructure Investment Bank or new globalization strategies such as the Belt and Road Initiative. The extent to which this increase in power will lead to a model with followers is unclear.

Thesis 4: Smaller players regain strength on the world stage

Not everything will be decided between China and the US. The US is too preoccupied with itself – especially its internal inequalities – to regain the global leadership under President Biden that it took for granted for much of the 20th century. China may continue to rise rapidly economically and technologically and lead the digital age, but it lacks international persuasion for its own system, so-called soft power.

The dictum described by Thucydides in his History of the Peloponnesian War: „The strong do what they will and the weak endure what they must“ does not apply to the current situation. The world is more connected than before. The great powers, the USA and China, are therefore dependent on promoting their understanding of a world order and forming alliances. This also means being open to the voices of the smaller players. Countries like Morocco, Egypt, Indonesia, Pakistan, Korea and Mexico will help shape the global agenda.

Conclusion

Europe has to find its active role in this trend scrub, even if it cannot be the supreme shaping power. In doing so, it should not be too quick to commit to one side or the other. The good news is that the shifts are so fundamental that purely ideological and purely nationalistic positions have no chance of success in the medium term. Europe can confidently engage in this dialogue and, depending on the issue, certainly change alliances. What does not belong in this new world order is a gesture of superiority and mission.

Literature

Allison, Graham T. (2018), Destined for War: Can America and China Escape Thycidides’s Trap? Boston, New York: Mariner Books.

Bonschab, Thomas and Kappel, Robert (2020), Europe’s Mistaken China Blues: China’s Rise Does not Mean Europe’s Fall. https://weltneuvermessung.wordpress.com/2020/11/27/europa-im-falschen-china-blues-europes-mistaken-china-blues/

Gros, Daniel, Cinzia Alcidi, Matthias Busse, Milan Elkerbout, Nadzeya Laurentsyeva and Andrea Renda (2018), Global Trends to 2035, Brussels: EP. https://www.ceps.eu/ceps-publications/global-trends-2035-economy-and-society/.

Kappel, Robert (2011), The Challenge to Europe: Regional Powers and the Shifting of the Global Order, in: Intereconomics 46, 5: 275–286 https://www.intereconomics.eu/contents/year/2011/number/5/article/the-challenge-to-europe-regional-powers-and-the-shifting-of-the-global-order.html

Kappel, Robert and Helmut Reisen (2015), The Recalibration of the World and German Foreign Policy, GIGA Focus International 5: 1-8., https://www.ssoar.info/ssoar/handle/document/43727

Kindleberger, Charles. P. (1981), Dominance and Leadership in the International Economy: Exploitation, Public Goods, and Free Rides, in: International Studies Quarterly, 25, 2: 242-254.

Remark: The title of the article is inspired by Tadeusz Rózewicz’s Sobbing Superpower, New York 2011.

Ein Kommentar zu „Der schluchzende Westen und die Neuvermessung der Welt – The Sobbing of the West and the Remapping of the World

  1. Exzellenter Faktencheck, eingerahmt von Allison und Thukydides, very convincing indeed. Dennoch, Nathan Law hat gerade Asyl beantragt, nicht in den USA sondern explizit in UK / EU, weil man dort, wie er sagt, PRC verkennt. Insofern sollte man auch John Mearsheimer´s „Tragedy of Great Power Politics“ in die Analyse zukünftiger Blogs einbeziehen, bzw. seinen offensiven Realismus. O-Ton Mearsheimer: „Can China rise peacefully? Regrettably, my answer is no“.

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